Frühe Bindungserfahrungen prägen späteres Bindungsverhalten – Teil I

Die Bindungsqualität zwischen den wichtigsten Bezugspersonen (meist Mutter und Vater) und dem Kind ist für eine gesunde psychische Entwicklung ausschlaggebend und beeinflusst unsere spätere Bindungsfähigkeit: Wie verhalte ich mich in meiner Partnerschaft? Bin ich fähig, echte psychische Intimität zuzulassen? Oder lasse ich einen Teil meiner Maske der Scham auf? Kann ich echte physische Intimität zulassen, mich mit all meinen Bedürfnissen zeigen? Gibt es sich immer wiederholende Muster? 

Bereits in den 60er Jahren beobachtete der englischen Psychiater und Psychoanalytiker John Bowlby, dass Babys schon im Säuglingsalter unterschiedliche Bindungsmuster entwickeln:

1. Bindungsverhalten: Die sichere Bindung

Die Bindungsperson verhält sich gegenüber den Signalen vom Baby feinfühlig, empathisch, liebevoll und verlässlich. Das Kind erfährt dadurch ein Gefühl emotionaler Sicherheit und wird widerstandsfähiger gegenüber späteren psychischen Belastungen. Man geht davon aus, dass etwa 50-60% der Menschen früher einen sicheren Bindungsstil entwickelt haben.

2. Bindungsverhalten: Unsicher-ambivalente Bindung

Hier reagieren die Eltern unklar auf die Bindungsbedürfnisse der Kinder: Mal bieten sie Schutz und Zuwendung, mal verhalten sie sich zurückweisend/mit Liebesentzug. Die Kinder reagieren ihrerseits häufig mit Klammerverhalten an die Eltern, können sich aber in deren Gegenwart innerlich nicht wirklich entspannen – die Unsicherheit, was als nächstes kommt (Schutz? Zuwendung? Liebe? Zurückweisung?) führt beim Kind zu innerlichem Stress. Bei Problemen ziehen sich diese Kinder und später Erwachsene auch tendenziell eher zurück. Auch als erwachsene Personen sind sie in Anwesenheit der Eltern innerlich nach wie vor gestresst oder angespannt.

Obwohl man erwachsen geworden ist und sich eigentlich anders verhalten könnte, hat man die Eltern noch wie früher verinnerlicht. Häufig denkt man sich, dass es doch die Eltern sind, die sich ändern müssten, damit man sich heute als Erwachsener entspannen kann. Doch es geht anders: Damit alles gleich bleibt, müssen beide Seiten einfach gleich weiter machen. Damit sich aber etwas verändert, muss sich nur einer verändern! Diesen Schritt zu wagen braucht aber oftmals Mut, da wir nicht wissen, wie sich die Beziehung ändern wird. Und so bleiben viele Menschen lieber in altbewährten Mustern statt Neues zu wagen und sich vielleicht erfreuen zu können, wie sich eine Beziehung zum Positiven verändert.

Die zwei weiteren Bindungsstile folgen in einem nächsten Beitrag.
Viel Vergnügen beim Reflektieren eurer Bindungsstile!

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Über Männer und ihre verletzliche Seite. Und weshalb diese gelebt werden sollte.