Psychische und körperliche Anzeichen eines Burnouts.

In meinem letzten Beitrag (siehe: Über Depression und Burnout. Und der Anfang zur Selbstfindung.) ging es um die psychischen Prozesse bei einer Depression und einem Burnout (= Erschöpfungsdepression). Nebst diesem Verständnis ist es mir auch ein Anliegen, dass Sie Warnsignale (körperlich als auch im Verhalten) frühzeitig erkennen und ernst nehmen können. Was für Verhaltensweisen deuten auf ein Burnout hin? Welche körperlichen Symptome treten dabei auf?

Bei der Entstehung eines Burnouts klaffen innere Anforderungen an sich selbst („Sei perfekt“, „Mühe dich ab“)  und die subjektiv erlebte Wirklichkeit („mein Einsatz genügt nicht“, „ich muss noch mehr machen“, „ich komme nicht nach“) immer weiter auseinander. Vergleichbar mit dem Bild einer sich immer mehr öffnenden Schere. 

  • So kommt es, dass Betroffene immer mehr machen, sich stärker fordern, härter arbeiten, um ihrem Ideal des Perfektionismus zu entsprechen. Kommt ein Mangel an positivem Feedback durch Vorgesetzte, Freunde oder Familienmitglieder hinzu, entwickelt sich eine Teufelskreisdynamik: die Arbeit/der Einsatz zuhause etc. sind nicht gut genug, man muss noch mehr leisten. 

  • Nebst dem erhöhten Leistungseinsatz verlieren Betroffene mit der Zeit den Kontakt zu ihren Gefühlen und zu sich selbst. Innerlich erleben sie einen Zwiespalt: „Einerseits ist da das Gefühl, dass ich funktionieren muss – andererseits habe ich Angst zu versagen. Ich fühle mich hilflos“.

  • Das geistige Burnout kann zudem Symptome hervorrufen wie: Vergesslichkeit, Konzentrationsstörungen, Schwierigkeiten Entscheidungen zu treffen, das Gefühl der Überforderung. Die Fähigkeit, selbst Probleme zu lösen, nimmt ab. 

Körperliche Anzeichen eines Burnouts

Auch im Körper spiegelt sich unsere Psyche, weshalb ein Burnout auch von körperlichen Symptomen begleitet werden kann (beispielhafte Aufzählung in Anlehnung an Paul Gamber, Symptome variieren je nach Persönlichkeit):

  • chronische Müdigkeit

  • Einschlaf- und Durchschlafstörungen, Gedanken kreisen

  • Erschöpfung

  • Verstopfung

  • Häufige Magenbeschwerden

  • Sexuelle Lustlosigkeit

  • Allgemeine Lustlosigkeit

  • Kopfschmerzen

  • Migräne 

  • Chronische Traurigkeit, Weinen bei geringsten Anlässen

  • Ständige Reizbarkeit: Überempfindlichkeit gegenüber Lärm, lauter Sprache, lauter Musik

  • Tinnitus 

  • Herzbeschwerden

  • Hautausschläge/Jucken

Was tun bei einem Burnout?

Zentraler Punkt bei einem (entstehenden) Burnout ist, sich seiner Vergangenheit und seinen Antreibern bewusst zu werden und seine Gegenwart und Zukunft anders zu gestalten. Der Weg aus dem Burnout heisst Selbstfindung: man muss in sich selbst investieren. Beziehungsmuster entlarven. Muster der Anerkennungssuche verändern. Lernen, sich abzugrenzen. Muster der Selbstabwertung reflektieren. Abschied von inneren Antreibern nehmen.  Was sich vielleicht logisch und einfach anhört, ist meist nicht alleine zu bewältigen. 

Ich empfehle sehr sich frühzeitig professionelle Unterstützung zu holen – denn je früher man daran arbeiten kann, umso besser kann man aus dem Teufelskreis aussteigen. Keine Scham, kein Ich-muss-stark-sein, kein Ich-muss-das-alleine-schaffen. Das war früher, im 21. Jahrhundert geht es um die Erforschung unserer Psyche.

Zurück
Zurück

Mut zur Wut! Weshalb Frauen sie oft unterdrücken.

Weiter
Weiter

Unterschied zwischen psychologischer Beratung und Psychotherapie